Als Minister Hubert Aiwanger Mittel zusagte, war die Wasserstoffwelt noch in Ordnung. Quelle: SWB Bayreuth
WASSERSTOFF:
Stadtwerk verkündet „bitteres“ Aus für H2-Busflotte
Die Stadtwerke Bayreuth haben ihr Millionen-Vorhaben für den Umstieg auf Wasserstoff-Busse begraben. Damit ist auch der Fahrplan für emissionsfreien ÖPNV in der Wagnerstadt hinfällig.
Alles auf null: Wasserstoff wird nicht der Antriebsstoff der Zukunft im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) von Bayreuth.
Die Stadtwerke haben den Notausstieg gewählt und beginnen nun mit den Plänen für eine emissionsfreie Busflotte ganz von vorn.
Dabei war der Fahrplan klar: Erste Bestellung eines H2-Busses noch 2025. Bis 2030 sollten 25 der 35 eigenen Fahrzeuge über Wasserstoff-Antriebe verfügen. Für 2038 lautete das Ziel: emissionsfreier ÖPNV in Bayreuth, was auch die weiteren 30 Busse der beauftragten Partnerunternehmen einbezog.
Stefan Rützel, Chef des Versorgers, spricht in einer Mitteilung von einer „bitteren“ Entscheidung. Sie ist nach Ansicht des Geschäftsführers aber unvermeidlich gewesen, weil die einkalkulierten Fördermittel des Bundes für den Umstieg auf Wasserstoff perspektivisch nicht fließen werden. 2023 sei Bayreuth in einer Vergaberunde leer ausgegangen, 2024 schließlich legte der klamme Bund sein Förderprogramm vollständig auf Eis.
Zukunft wird nun doch direkt elektrisch
Für Bayreuth und seinen Versorger ist diese Meldung ein Schlag ins Kontor. Groß hatten die Oberfranken ihre Wasserstoff-Pläne ins Schaufenster gestellt. Zusätzlich zur H2-Busflotte sollte eine ambitionierte Infrastruktur entstehen, mit 5-MW-Elektrolyseur zur Eigenproduktion des teuren Gases, mit H2-Tankstelle für diverse Nutzende. Und auch die bei der Elektrolyse anfallende Abwärme wollten die Stadtwerke intelligent in einem eigenen Neubau verwenden.
Förderzusagen über sieben Millionen Euro hatte der Freistaat gegeben, zwei Millionen davon für den Bau der H2-Tankstelle. „Leidenschaftlich vorangetrieben“ habe der Versorger seine Idee, so Sprecher Jan Koch auf Anfrage dieser Redaktion. Sämtliche Ausschreibungsunterlagen waren bereit für die Veröffentlichung. Das Wasserstoff-Aus „schmerzt uns natürlich“, so Koch.
Aus dieser Erfahrung heraus backt das oberfränkische Bayreuth nun kleine Weckla. Klar ist, dass die Zukunft des Nahverkehrs nun doch dem elektrischen Direktantrieb gilt. Das hatten die Stadtwerke nach einer Machbarkeitsstudie, die zur Hälfte vom Bund finanziert worden war, im Jahr 2023 noch ausgeschlossen. Die Reichweite tauge nicht und mache E-Busse somit unwirtschaftlich, hieß es seinerzeit.
Jetzt sehen die Verantwortlichen das anders. Die Batterietechnik habe sich fortentwickelt, ein Bus könne ohne Zwischenladen einen ganzen Tag durch Bayreuth stromern. Auch sei der Ansatz immer „technologieoffen“ gewesen.
Bei neuen Zeitplänen sind die Stadtwerke allerdings sehr zurückhaltend. Wann der erste E-Bus kommt, steht nicht fest. Nur so viel ist bekannt: Es gebe bereits eine Projektgruppe, die den Elektroansatz verfolgt und ein Konzept erarbeiten soll, so Stadtwerke-Chef Stefan Rützel. Ob sich das 2038er-Ziel halten lässt, ist ungewiss.
Vielerorts Notbremse bei klimaneutralen Busflotten
Die fehlenden Bundesgelder haben auch an anderer Stelle in der Republik zwangsweise zum Umdenken geführt (wir berichteten). Das Friedrichshafener und Überlinger Stadtwerk am See (Baden-Württemberg) etwa hat 2024 gleich 31 neue Dieselbusse angeschafft, in Solingen sind 23 neue Diesel geordert. Bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) stockt die weitere Elektrifizierung der Flotte, auch in Hamburg verzögert sie sich. In Lübeck musste die Kommune einspringen, um die Deckungslücke zu schließen und den Stadtwerken den Kauf von 31 weiteren E-Bussen vom laufenden Jahr an zu ermöglichen.
Staatsgelder weder für H2 noch für Elektro: Für Bayreuth bleibt also auch bei batterieelektrieschen Fahrzeugen die Frage, wer die Mehrkosten gegenüber herkömmlichen Bussen auffängt. Die Oberfranken sehen mit dem Schwenk auf Elektro jedenfalls etwas Kostendruck von sich genommen, denn der Umstieg und der Ausbau der Ladeinfrastruktur ließen sich schrittweise angehen.
Dies sei bei den anstehenden Investitionen in die Strom- und Wärmenetze eine willkommene Entlastung. Und die alte Flotte bleibt derweil eine verlässliche Säule des ÖPNV – die Stadtwerke nutzen zu 80 Prozent „Biogas-Busse“. Eine „Brückentechnologie“ nennen sie diese, die nun in die unbestimmte Verlängerung geht.
Dabei war der Fahrplan klar: Erste Bestellung eines H2-Busses noch 2025. Bis 2030 sollten 25 der 35 eigenen Fahrzeuge über Wasserstoff-Antriebe verfügen. Für 2038 lautete das Ziel: emissionsfreier ÖPNV in Bayreuth, was auch die weiteren 30 Busse der beauftragten Partnerunternehmen einbezog.
Stefan Rützel, Chef des Versorgers, spricht in einer Mitteilung von einer „bitteren“ Entscheidung. Sie ist nach Ansicht des Geschäftsführers aber unvermeidlich gewesen, weil die einkalkulierten Fördermittel des Bundes für den Umstieg auf Wasserstoff perspektivisch nicht fließen werden. 2023 sei Bayreuth in einer Vergaberunde leer ausgegangen, 2024 schließlich legte der klamme Bund sein Förderprogramm vollständig auf Eis.
Zukunft wird nun doch direkt elektrisch
Für Bayreuth und seinen Versorger ist diese Meldung ein Schlag ins Kontor. Groß hatten die Oberfranken ihre Wasserstoff-Pläne ins Schaufenster gestellt. Zusätzlich zur H2-Busflotte sollte eine ambitionierte Infrastruktur entstehen, mit 5-MW-Elektrolyseur zur Eigenproduktion des teuren Gases, mit H2-Tankstelle für diverse Nutzende. Und auch die bei der Elektrolyse anfallende Abwärme wollten die Stadtwerke intelligent in einem eigenen Neubau verwenden.
Förderzusagen über sieben Millionen Euro hatte der Freistaat gegeben, zwei Millionen davon für den Bau der H2-Tankstelle. „Leidenschaftlich vorangetrieben“ habe der Versorger seine Idee, so Sprecher Jan Koch auf Anfrage dieser Redaktion. Sämtliche Ausschreibungsunterlagen waren bereit für die Veröffentlichung. Das Wasserstoff-Aus „schmerzt uns natürlich“, so Koch.
Aus dieser Erfahrung heraus backt das oberfränkische Bayreuth nun kleine Weckla. Klar ist, dass die Zukunft des Nahverkehrs nun doch dem elektrischen Direktantrieb gilt. Das hatten die Stadtwerke nach einer Machbarkeitsstudie, die zur Hälfte vom Bund finanziert worden war, im Jahr 2023 noch ausgeschlossen. Die Reichweite tauge nicht und mache E-Busse somit unwirtschaftlich, hieß es seinerzeit.
Jetzt sehen die Verantwortlichen das anders. Die Batterietechnik habe sich fortentwickelt, ein Bus könne ohne Zwischenladen einen ganzen Tag durch Bayreuth stromern. Auch sei der Ansatz immer „technologieoffen“ gewesen.
Bei neuen Zeitplänen sind die Stadtwerke allerdings sehr zurückhaltend. Wann der erste E-Bus kommt, steht nicht fest. Nur so viel ist bekannt: Es gebe bereits eine Projektgruppe, die den Elektroansatz verfolgt und ein Konzept erarbeiten soll, so Stadtwerke-Chef Stefan Rützel. Ob sich das 2038er-Ziel halten lässt, ist ungewiss.
Vielerorts Notbremse bei klimaneutralen Busflotten
Die fehlenden Bundesgelder haben auch an anderer Stelle in der Republik zwangsweise zum Umdenken geführt (wir berichteten). Das Friedrichshafener und Überlinger Stadtwerk am See (Baden-Württemberg) etwa hat 2024 gleich 31 neue Dieselbusse angeschafft, in Solingen sind 23 neue Diesel geordert. Bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) stockt die weitere Elektrifizierung der Flotte, auch in Hamburg verzögert sie sich. In Lübeck musste die Kommune einspringen, um die Deckungslücke zu schließen und den Stadtwerken den Kauf von 31 weiteren E-Bussen vom laufenden Jahr an zu ermöglichen.
Staatsgelder weder für H2 noch für Elektro: Für Bayreuth bleibt also auch bei batterieelektrieschen Fahrzeugen die Frage, wer die Mehrkosten gegenüber herkömmlichen Bussen auffängt. Die Oberfranken sehen mit dem Schwenk auf Elektro jedenfalls etwas Kostendruck von sich genommen, denn der Umstieg und der Ausbau der Ladeinfrastruktur ließen sich schrittweise angehen.
Dies sei bei den anstehenden Investitionen in die Strom- und Wärmenetze eine willkommene Entlastung. Und die alte Flotte bleibt derweil eine verlässliche Säule des ÖPNV – die Stadtwerke nutzen zu 80 Prozent „Biogas-Busse“. Eine „Brückentechnologie“ nennen sie diese, die nun in die unbestimmte Verlängerung geht.
Volker Stephan
© 2025 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 02.10.2025, 15:29 Uhr
Donnerstag, 02.10.2025, 15:29 Uhr
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